Veronika Eberhart
14.12.2018 — 18.01.2019
Opening: 14. 12. 2018, 19h
Finissage: 18. 01. 2019, 19h

http://www.veronikaeberhart.com

Kreuzungen aller Art finden wir in Veronika Eberharts Installation COCCYX (the abyss beneath). Kreuzungen, die sich aus einer Mischung von schon länger existierenden Arbeiten mit solchen aus einer Serie von Skulpturen, die (teilweise zumindest) spezifisch für den Ort gefertigt wurden. Spezifisch ist das blässliche Gelb der Epoxidsockel der Objekte sowie der Hüftknochenabgüsse, die mit dem schmutzigen Ocker der Heizungsradiatoren oder der Fensterrahmen im New Jörg korrespondieren.

Diese site-spezifische Note bildet einen Schnittpunkt mit weiteren räumlichen Prädispositiven: eine aufgelassene ehemalige Tischlerei in der Steiermark, wo Veronika Eberhart alte Furniere gefunden hat, die sie für die Skulpturen verwendete, ein sizilianischer Strand, Ort der Aufnahmen von zwei analogen Farbfotografien, sowie der Ausstellungsraum selbst, eine ehemalige Schlosserei im 20. Bezirk von Wien. Sie alle lassen zusammen einen fragilen, temporären, mehrschichtigen Raum am Kreuzungspunkt von Orten mit historischer Bedeutung und transitorischen Orten („Nicht-Orten“bei Marc Augé*) entstehen.

Die Skulpturen orientieren sich am menschlichen Skelett, sie bilden elegante Bögen in ganz unterschiedlichen Stellungen und Positionen im Raum, ihre glänzenden, gelben, geometrischen Sockel verweisen sie in jenen Bereich der klassischen Kunst, wo formale Qualitäten unverzichtbare Kriterien für „korrekte“ Haltungen sind: Sockel, Podest, Figur im Raum. Das Skelett bildet auch die tragende Struktur des Menschen, es ist der kleinste gemeinsame Nenner, den wir alle miteinander teilen. Die ringenden italienischen Männer am ansonsten vereinsamten Strand unter dem bedeckten Himmel –sie erfreuen sich spielend ihrer körperlichen Fähigkeiten.

Aber während die Skulpturen im Raum eine vermeintliche Freiheit genießen –sie hängen oder liegen gestützt von satiniertem Acrylglas an der Wand, sie biegen sich durch, sie schaukeln gar –so sind die Menschen am Strand doch auch Teil eines sozialen Raums, einer präexistenten individuellen Logik, die sie nicht so schnell abwerfen können. Es sind diese imaginären Verbindungen, die Veronika Eberhart in ihrer Installation herstellt: Verbindungen zwischen dem sozialen Raum des Einzelnen zum universalistischen Raum der Kunst. Und so offen sie die weiteren Bezüge hält –beispielsweise die zwei Hüftknochen, die unweigerlich zum Steißbein (engl. coccyx)zielen –, so scheint doch eines gewiss: Flexibilität (eine selbstoptimierte, freiwillig gewählte oder aber auch eine sozioökonomisch aufgezwungene) ist die Grundeigenschaft, die alle hier Versammelten miteinander verbindet.

Patricia Grzonka

*Marc Augé: Non-places. Introduction to an Anthropology of Supermodernity, London/New York: Verso, 1995 (1992)

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